Den meisten Menschen fällt es schwer NEIN zu sagen. Fragt man sie nach einem Gefallen, lautet die Antwort oftmals „Ja, gerne!“, auch wenn sie eigentlich lieber darauf verzichtet hätten zu helfen. Auch einem Verkäufer können viele Kunden kein klares „Nein“ als Antwort geben und entscheiden sich so für den Kauf eines Produktes, für das sie eigentlich gar keine Verwendung haben.

Aber warum kommt uns ein „Nein“ so schwer über die Lippen? Warum leben wir lieben mir den ungewollten Konsequenzen eines „Ja!“? Die Antwort liegt, wie sollte es anders sein, in unserer Erziehung. Die ersten „Nein“ kamen von unseren Eltern. „Nein, das darfst Du nicht!“, „Nein, wenn Du da ran greifst verbrennst du Dich!“ und „Nein, das macht man nicht!“ haben wir alle schon einmal gehört. Schon früh machten wir selbst Gebrauch von den mächtigen vier Buchstaben. „Nein, ich räum mein Zimmer nicht auf!“, „Nein, meine Suppe esse ich nicht!“, sind nur zwei Beispiele rebellischer Versuche, sich gegen die Eltern oder Großeltern durchzusetzen.

Im Erwachsenenalter fällt es uns durchaus schwerer NEIN zu sagen.

Wir haben gelernt, dass das kleine Wörtchen mit einigen Konsequenzen verbunden ist. Besonders in Situationen, in denen wir befürchten müssen, dass mein Gegenüber

  • mich ablehnt
  • von mir enttäuscht, verärgert oder verletzt ist
  • den Eindruck bekommt, ich sei herzlos und egoistisch

Vor allem bei Menschen, die uns wichtig sind fällt es uns schwer NEIN zu sagen. Wenn wir jedoch glauben, dem anderen überlegen zu sein, oder unser gegenüber uns gleichgültig ist, kommt uns ein „Nein“ sehr viel leichter über die Lippen. Auch großer Ärger oder Wut kann hilfreich für eine ablehnende Antwort sein.

Das alles hat durchaus seine Vorteile, zumindest denken wir das. Wir meinen, dass Menschen uns eher mögen, dass wir so Konflikten aus dem Weg gehen können, dass wir selbstlose Menschen sind. Wenn wir nicht „Nein“ sagen, brauchen wir auch keine Verantwortung für unser handeln zu übernehmen. Aber wenn wir einmal genau darüber nachdenken, ist das wirklich das schlaueste Verhalten? Die eindeutige Antwort darauf lautet –natürlich – NEIN!

Aber wann ist ein „Nein“ angebracht und wie bringt man dieses kongruent und glaubwürdig rüber? Es gilt dabei nur einige kleine Richtlinien zu beachten:

Zu aller erst ist es unerlässlich, die Situation in der man sich gerade befindet, genau einzuschätzen.

  • Worum geht es und was verlangt mein Gegenüber von mir?
  • Bin ich bereit zu tun, was von mir erwartet wird?
  • Habe ich die Kraft, Energie und Lust die Erwartungen zu erfüllen?
  • Leidet irgendetwas oder Irgendwer, wenn ich der Bitte nachkomme bzw. nicht nachkomme?
  • Wer bittet mich um den gefallen? In welcher Beziehung steht die Person zu mir?
  • Welche Konsequenzen hat ein „Ja“ bzw. ein „Nein“

Hat diese Analyse ergeben, dass es besser wäre Nein zu sagen?

Dann sollte man sich selbst die Erlaubnis geben Nein zu sagen. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, wenn man sich selbst diese Erlaubnis schriftlich gibt. Hat man sich selbst einmal dazu entschieden NEIN zu sagen, gilt es, diese Antwort auch respektvoll zu übermitteln.

Das wichtigste ist, dass man die vier Buchstaben so deutlich sagt, dass sie auch unmissverständlich beim Gegenüber ankommen. Jedoch sollte dies freundlich und rücksichtsvoll geschehen, um den Anderen nicht zu verletzen. Zwar reicht ein eindeutiges „Nein“ als Antwort oft aus, allerdings helfen ein paar weitere Worte sich selbst und dem Anderen, besser damit klar zu kommen. Begründet man sein „Nein“, gibt man dem gegenüber die Möglichkeit die eigenen Beweggründe besser zu verstehen. Auch ein „Dankeschön“, dass einem der Andere das Vertrauen entgegengebracht, und um Hilfe gebeten hat, wird gerne angenommen.

Wenn diese Regeln in der Kommunikation von allen Beteiligten beachtet werden, fällt es nicht nur leichter NEIN zu sagen, auch ein „Nein“ zu bekommen wird dadurch vereinfacht.

Und sollte die eigene Sprache einmal nicht ausreichen, gibt es das kleine Wörtchen hier (http://users.elite.net/runner/jennifers/no.htm) in über 520 Sprachen der Welt.